 | Admin schrieb am 23.10.2009: Deutschland ist ein Einwanderungsland
Michael Grandt
Politiker dementieren und reden die Probleme klein, aber aktuelle Zahlen zeigen deutlich: Fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund.
Noch immer kommen die Medien wegen den Aussagen von Thilo Sarrazin (siehe meinen Artikel »Der Aufstand der Gutmenschen gegen Sarrazins ›Türkenschelte‹« nicht zur Ruhe. Ich möchte etwas zur Versachlichung der Debatte beitragen und habe beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge recherchiert.
»Ausländer« zu sagen gilt in Deutschland heutzutage als politisch nicht ganz korrekt. Aufgrund von Einbürgerungen und der Vielfalt des Migrationsgeschehens spricht man heute von der »Bevölkerung mit Migrationshintergrund«. Dazu zählen Ausländer, (Spät-)Aussiedler, Eingebürgerte und ihre Nachkommen.
Im Integrationsreport, Teil 6, der im Jahr 2009 erschienen ist und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge herausgegeben wird, werden allerdings erst die Zahlen von 2007 aufgeführt, andere gibt es noch nicht. Sie sind dennoch interessant. Werfen wir einen Blick darauf:
– Im Jahr 2007 hatten 15,4 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund.
– Davon waren 8,1 Millionen Deutsche (darunter 2,8 Millionen Spät-Aussiedler) und 7,3 Millionen Ausländer.
– Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung beträgt 18,7 Prozent.
– Mit etwa 2,5 Millionen stellen Personen türkischer Herkunft die größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Dies entspricht einem Anteil von 16,4 Prozent an allen Personen mit Zuwanderungsgeschichte.
– 7,5 Prozent haben einen polnischen, 6,7 Prozent einen russischen und 4,9 Prozent einen italienischen Hintergrund.
– Im Jahr 2007 wurden 31.339 ausländische Kinder in Deutschland geboren.
Die einzelnen Bundesländer haben verschiedene Anteile an Personen mit Migrationshintergrund. Dabei fällt auf, dass die neuen Bundesländer einen sehr geringen Anteil verzeichnen.
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Personen mit Migrationshintergrund nach Bundesländern und Bevölkerungsanteil in Prozent (in Klammer der Anteil der ausländischen Bevölkerung):
Hamburg: 26,3 (14,0)
Bremen: 25,6 (12,8)
Baden-Württemberg: 25,3 (11,8)
Hessen: 24,1 (11,2)
Berlin: 23,8 (14,0)
Nordrhein-Westfalen: 23,4 (10,6)
Bayern: 19,2 (9,4)
Rheinland-Pfalz: 18,0 (7,8)
Saarland: 17,7 (8,4)
Niedersachsen: 15,8 (6,7)
Schleswig-Holstein: 12,6 (5,3)
Neue Bundesländer: 4,8 (darunter: Sachsen 2,7, Sachsen-Anhalt 1,9, Thüringen 2,1, Brandenburg 2,6, Mecklenburg-Vorpommern 2,4)
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Die Anteile der Personen mit Migrationshintergrund fallen je nach Region unterschiedlich aus, so ist er in Stadtgebieten deutlich höher (22,5 Prozent) als in ländlichen Räumen (10,7 Prozent). In Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern liegt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Durchschnitt bei über 20 Prozent, während er in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern bei unter zehn Prozent liegt. In Regierungsbezirken unterteilt, liegt der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund im Regierungsbezirk Stuttgart mit 28,6 Prozent am höchsten.
Betrachtet man bestimmte Großstädte, kommt man zu folgendem Ergebnis.
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Personen mit Migrationshintergrund in ausgewählten Großstädten in Prozent:
Stuttgart: 40,1
Frankfurt: 39,5
Nürnberg: 37,3
Augsburg: 36,2
München: 34,4
Düsseldorf: 32,2
Köln: 31,9
Wuppertal: 30,8
Bonn: 29,4
Dortmund: 28,1
Duisburg: 25,9
Gelsenkirchen: 23,9
Essen: 21,4
Quelle: Statistisches Bundesamt (andere Mikrozensusdaten zu Großstädten liegen nicht vor)
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Überraschend ist hier, dass zwei bayerische Städte (Augsburg und Nürnberg) verhältnismäßig hohe Anteile an Migranten haben und die »schwäbische Hauptstadt« Stuttgart sogar den höchsten Anteil verzeichnet.
Die Zahlen zeigen uns das, was die Politiker beharrlich dementieren: Deutschland ist ein Einwanderungsland und wir sollten die Probleme, die daraus entstehen ernst nehmen, aber auch die Chancen dieser Kulturvielfalt nutzen.
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