 | Admin schrieb am 17.07.2009: Supervulkane und das Ende der Zivilisation
Andreas von Rétyi
Vor 74.000 Jahren kam eine unvorstellbare Katastrophe über die Welt und veränderte schlagartig alles. Der Ausbruch des Toba-Supervulkans auf Sumatra verfinsterte die Sonne und führte die Erde in eine Kälteperiode. Und heute? Wird unsere gegenwärtige Zivilisation nicht nur durch Kriege und Wirtschaftskrisen gefährdet, sondern drohen auch radikale Umwälzungen des Erdinneren? Untersuchungen am genetischen Material des Menschen haben zu einer ungewöhnlichen Entdeckung geführt: Vor etwa 70.000 Jahren muss es auf unserem Planeten zu einer einschneidenden Katastrophe gekommen sein, welche die Erdbevölkerung fast völlig ausgelöscht hat. Was übrig blieb, waren offenbar nur einige wenige Familien. Und genau deshalb ist der »Genpool« des Menschen längst nicht so differenziert, wie er es angesichts einer Jahrmillionen währenden Evolution eigentlich sein müsste. Wir würden uns untereinander nicht so ähnlich sehen, vielmehr gäbe es weit mehr Typen von Menschen, wenn – ja wenn nicht damals irgendetwas über die Welt gekommen wäre, das eben nur sehr ähnliches Genmaterial zur Auswahl übrig ließ.
Dieses »Etwas«, das die Menschheit vor rund 70.000 Jahren heimsuchte, könnte ein riesiger Meteoriteneinschlag gewesen sein oder aber auch der Ausbruch eines besonders großen Vulkans. Vielleicht auch beides. Gleich wie, tatsächlich gab es in jener eigentlich gar nicht so fernen Zeit ein Ereignis, das sehr wohl für eine globale Katastrophe und die Auslöschung eines großen Teils der Menschheit verantwortlich war: der Ausbruch des Riesenvulkans Toba auf Sumatra. Nach allem, was man heute weiß, dürfte sich dieses irdische Überdruckventil damals mit unvorstellbarer Gewalt geöffnet haben und dabei rund tausendmal mehr Material in die Luft geschleudert haben als die Explosion des Mount St. Helens im Jahr 1980. Die Folge: eine verfinsterte Erdatmosphäre und die deutliche Abkühlung des irdischen Klimas. Damals sollen die Temperaturen global um rund zehn Grad gesunken sein, mit verheerender Wirkung.
Forscher haben lange vermutet, dass der Toba-Ausbruch eine tausendjährige Kälteperiode verursachte, zumal jenes enorme geologische Ereignis bekanntlich mit einer entsprechenden Epoche einherging – nämlich der letzten großen Eiszeit unserer Erde. Die NASA sowie das Zentrum für Atmosphärenforschung in Boulder, Colorado/USA, sehen das seit Kurzem anders. Eine aktuelle Studie unter Leitung des Klimatologen Alan Robock ermittelte anhand von Modellrechnungen, dass sogar noch heftigere Vulkansausbrüche, bei denen gegenüber Toba ein Mehrfaches an Schwefeldioxid ausgeschleudert wird, das Klima lediglich über einige Jahrzehnte beeinflussen könnten, aber nicht länger. Wenn das wirklich stimmt, müssen sich die Forscher nach anderen Verursachern langer Kälteperioden der Erde umsehen, so meint auch die Klimatologin Ellen Mosley-Thompson: »Die Ergebnisse eliminieren anscheinend megavulkanische Eruptionen als einen der wesentlichen Motoren globaler Vereisung.« Ihrer Ansicht nach seien Veränderungen in den Ozeanströmungen oder auch zyklische Veränderungen der Erdbahn um die Sonne die wahrscheinlicheren Auslöser solcher lang anhaltender und starker klimatischer Veränderungen.
Trotzdem bleiben riesige Vulkanausbrüche eine ernste Gefahr für die Menschheit, gerade für das, was wir gerne eine moderne oder auch »technologische Zivilisation« nennen. Keine Gesellschaft war in dieser Hinsicht gefährdeter als unsere heutige. Denn ihr komplexes Gefüge reagiert besonders empfindlich auf jegliche Veränderung, der sie nicht rechtzeitig entgegentreten kann. Die moderne Menschheit erweist sich auf Kometeneinschläge und Vulkanausbrüche nicht wesentlich besser vorbereitet als der Urmensch vor mehr als 70.000 Jahren. Eine ernüchternde Erkenntnis. Auf der anderen Seite scheinen große Katastrophen zudem bereits geradezu überfällig zu sein – als ob es nicht überall schon genug kriselte! Zumindest rein statistisch betrachtet, sieht es auch hinsichtlich solcher Erdkatastrophen düster aus: allesamt Ereignisse, welche eine sogar florierende Weltwirtschaft in die Knie zwingen würden, ganz zu schweigen von jenem bereits brachliegenden Finanz-Dinosaurier, der jetzt röchelnd auf uns lastet.
Wenn wir uns einmal ein wenig umsehen, finden wir allerorten brodelnde Katastrophenherde der Natur. Beispielsweise den Vesuv in Pompeji – er ist nach über 2.000 Jahren Ruhe eigentlich wieder fällig. Nicht viel beruhigender die Situation an der St.-Andreas-Verwerfung im Westen der Vereinigten Staaten. Das nächste große Beben steht bevor. Und der Yellowstone-Park, unter dem einer der größten Supervulkane »schlummert«, wölbt sich seinerseits schon bedrohlich auf. Wenn diese geologische Atombombe detoniert, bleibt nicht mehr viel von dem übrig, was wir heute als Nordamerika und USA ansprechen. Ein Ereignis, das nicht nur Millionen Menschen in den Tod reißen, sondern die gesamte Weltbevölkerung in urzeitliche Zustände zurückversetzen wird. Niemand kann vorhersagen, wann das Unvermeidbare geschehen wird. Es kann noch Jahrhunderte oder gar Jahrtausende dauern, genauso aber auch in absehbarer Zeit eintreten. Und dann ist da noch der ebenso überfällige Einschlag eines Asteroiden der Kilometerklasse. Wiederum rein statistisch betrachtet, passiert es jede Million Jahren rund viermal, dass ein Brocken dieser Größenordnung unseren Planeten trifft. Die letzten solcher Einschläge liegen bereits mehr als 250.000 Jahre zurück. Dass der Zufall kein Gedächtnis besitzt, mag dabei nicht unbedingt von Vorteil sein. Man kann sich wahrhaft endzeitlicher Gefühle nicht erwehren. Zumindest realisieren wir in solchen Zeiten, wie dünn jene seidenen Fäden sind, an denen so vieles hängt. Keine Kette ist eben stärker als ihr schwächstes Glied. Im Bewusstsein all dessen dürften wir uns aber selbst wohl stärker relativieren, mit der immerhin sehr positiven Folge, auch die wahren Werte wieder deutlicher zu erkennen, genau das, worauf es im Leben eigentlich ankommt – gerade, wenn wir uns daran erinnern, wie kurz unser Besuch hier in jedem Falle ist – Weltkatastrophe hin oder her!
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