 | Admin schrieb am 27.11.2009: Strafzettel für schlechtes Englisch
Michael Grandt
In Texas haben Polizisten Strafzettel an Dutzende von Autofahrern für deren schlechte Englischkenntnisse verteilt. Doch dahinter steckt weit mehr. Wie die Dallas Morning News berichten, haben Verkehrspolizisten in Dallas im US-Bundesstaat Texas Strafzettel für schlechte Englischkenntnisse an Dutzende von Autofahrer verteilt.
Das Ganze war ans Licht gekommen, als sich die Hispano-Amerikanerin Ernestina Mondragon vor Gericht gegen die Strafe gewehrt hatte. Ihr Vergehen lautete: »Missachtung eines Verkehrssignals, Fahrerin hat keinen Führerschein bei sich« und »Fahrerin spricht kein Englisch«. Sie wurde von der Polizei sogar in Gewahrsam genommen.
Polizeichef David Kunkle bedauerte das Vorgehen seiner Beamten und entschuldigte sich dafür, nachdem bekannt wurde, dass in den letzten drei Jahren sechs Polizisten insgesamt 39 Strafzettel aufgrund schlechter Englisch-Sprachkenntnisse ausgestellt hatten. Gegen sie wird nun wegen Verletzung der Amtspflicht ermittelt.
Was sich wie ein schlechter Witz anhört, wird in den Internetblogs heftig diskutiert. Die meisten Blogger sprechen sich für die Polizisten aus und sogar alte Vorurteile gegen Einwanderer kommen wieder hervor. Hier einige Auszüge:
– »Wie will Ernestina Mondragon den Verkehrszeichen entlang den Straßen folgen, wenn sie kein Englisch kann?«
– »Kein Wunder, dass die Leute auf den Highways in die falsche Richtung fahren.«
– »Sie sollten alle Englisch lernen!«
– »Ernestina Mondragon lebt seit 1980 in den USA. Fast 30 Jahre hier zu wohnen, scheint mir Zeit genug, um Englisch zu lernen.«
– »Sie machte auf der Straße einfach eine verbotene Kehrtwendung, konnte sie nicht das ›Bitte-nicht-wenden‹-Verkehrszeichen lesen? Ich möchte jedenfalls nicht auf der Straße mit jemandem sein, der nicht lesen und unseren Verkehrszeichen nicht folgen kann.«
– »Mondragon hatte ihre 15 Minuten Berühmtheit, jetzt ist es allerhöchste Zeit, sie in eine kostenfreie Englisch-Klasse zu schicken mit der freundlichen Genehmigung von uns, den Englisch sprechenden Steuerzahlern.«
– »Sie kann nach 30 Jahren noch kein Englisch sprechen. Was sagt das über sie aus, die in einem englischsprachigen Land lebt, das sie mit offenen Armen empfangen hat?«
– »Soweit ich mich erinnern kann, müssen die Menschen, die US-Bürger werden wollen, einen Englisch-Test bestehen. 30 Jahre in einem Land zu leben und kein Wort Englisch zu sprechen, ist völlig unverständlich für mich. Wie war das möglich für diese Frau?«
– »Police-Chief Kunkle hat kein Rückgrat, wenn er seine Beamten so schnell verurteilt!«
– »Das ist Amerika! Wir sollten uns nicht länger vor Einwanderern verbeugen! Die meisten Amerikaner wären empört, wenn sie wissen würden, dass sie sogar die Handy-Gebühren für Sozialhilfeempfänger bezahlen müssen!«
Andere hingegen forderten, dass die öffentlich Bediensteten in Städten mit großer hispanischer Population Spanisch lernen sollten, um ihre Pflichten besser erfüllen zu können.
Hinter diesem Fall steckt also viel mehr, als nur ein einfaches Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung, und er wird in Texas wohl noch eine ganze Weile für Unruhe sorgen.
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