 | Admin schrieb am 03.06.2009: Der Mensch im »Strahlenkreuz« Andreas von Rétyi
Wenn wir all das, was fortwährend um uns ist, auch direkt wahrnehmen könnten, wir würden wohl den Verstand verlieren. Vielmehr aber werden meist diejenigen für paranoid erklärt, die von der schädigenden Wirkung zahlreicher elektronischer Geräte überzeugt sind oder auch behaupten, durch sie bereits gesundheitliche Probleme davongetragen zu haben. Der schwedische Professor Olle Johansson vom Karolinska-Institut in Stockholm bestätigt allerdings diese Gefahr, wie sie uns alltäglich umgibt. Unsere Sinne sind nicht allein zum Erfassen der Umwelt da, sondern auch dazu, die äußere, schier unendliche Sinnesfülle sinnvoll an uns heranzutragen. Daher nehmen wir nur eine gezielte Auswahl dessen wahr, was uns wirklich umgibt. So soll es schließlich auch sein. Andernfalls würden wir an der Flut von Sinneseindrücken zugrunde gehen. Allein das Licht um uns, die gesamte elektromagnetische Strahlung, wäre ein riesiger Ozean gegen den kleinen Teich, den wir als sichtbaren Teil des Spektrums kennen. Und was ist mit Schall, mit elektrischen Impulsen, mit Magnetfeldern und Teilchenstrahlung? Gerade heute schwimmen wir in einem Meer der Signale. Im Laufe gigantischer Zeiträume haben sich archaische Sinnesorgane in unserem Körper zu inaktiven Rudimenten zurückgebildet, nachdem sie immer weniger gebraucht wurden. Auf viele äußere Einflüsse, wie sie erst im letzten Jahrhundert durch technische Innovation geschaffen wurden, konnte sich unser Körper hingegen noch überhaupt nicht annähernd einstellen.
So statuiert auch der Stockholmer Professor Olle Johansson ohne Umschweife, dass unser menschliches Immunsystem zwar eine Evolution durchgemacht hat, um auf bekannte natürliche Feinde reagieren zu können, dass aber elektromagnetische »Allergene« wie Fernsehsignale, Radiowellen, Mikrowellen von Heizöfen und Mobiltelefonen, künstliche Radioaktivität und Röntgenstrahlen unserem Organismus völlig fremd sind. Wir leben seit Jahrtausenden abgeschirmt vor kosmischer Strahlung in einem besonderen Schutzraum, in dem ein relativ konstantes Magnetfeld herrscht und die Sonnenstrahlung dosiert eintrifft. Nun aber umgeben uns fremdartige, eben unnatürliche Strahlungsarten – seien es elektromagnetische Wellen veränderter Frequenz oder aber gepulste Mikrowellenstrahlen. Tatsächlich gibt es Menschen, die behaupten, durchaus negative Einflüsse derjenigen Geräte zu spüren, die durch ausgesandte Strahlung mit der Umgebung in Wechselwirkung treten. Allerdings werden die Leidtragenden eher belächelt oder gar für paranoid gehalten.
Vor einigen Jahren sorgte der Fall des bayerischen Dorfes Valley nahe Tegernsee für manches Aufsehen. Dort nämlich hatte der US-Sender International Broadcasting Bureau (IBB) insgesamt fünf Sendemasten aufgestellt, die mit einer Gesamtleistung von rund einer Million Watt durch den Äther funkten. Allerdings mit beachtlichen Begleiterscheinungen. Die Valleyer Bürger begannen zunehmend über anhaltende Gesundheitsprobleme zu klagen. Angefangen bei chronischen Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Herzrhythmusstörungen bis schließlich hin zu einer offensichtlichen Zunahme an Krebserkrankungen war eine so breite wie bedrohliche Palette vertreten. Auch technische Geräte im Ort begannen zu »spinnen«: Der starke Sender induzierte Störströme, wodurch beispielsweise die Kirchenorgel ihren Dienst versagte oder Radio Liberty gar aus metallenen Spülbecken dröhnte – »Heavy Metal« eben!
Die einen oder anderen technischen Probleme konnten zwar beseitigt werden, sogar mit tatkräftiger Unterstützung der amerikanischen Betreiber des Senders. Doch der Gesundheitszustand der Einwohner von Valley änderte sich nicht. Einen Zusammenhang mit den Krebsfällen oder allein schon den weniger bedrohlichen Leiden hielt IBB allerdings für abstrus. Die Gemeinde klagte, doch wirkliche Beweise konnte niemand vorlegen. Letztlich aber stellte IBB den Sendebetrieb in Valley Ende 2003 ein. Bereits im November 1999 aber hatte das Bayerische Umweltministerium eine sehr eindeutige Presseerklärung zum Fall Valley herausgegeben. Hier heißt es unter der Überschrift »Kritik an Mortalitätsstudie ungerechtfertigt« dann nicht zuletzt:
»Die vom Bayerischen Umweltministerium in Auftrag gegebene Mortalitätsstudie für die Gemeinden Holzkirchen, Valley und Warngau lässt nur eine Schlussfolgerung zu: In der Umgebung des Senders Oberlaindern liegen keine Auffälligkeiten für höhere Krebssterberaten vor; statistisch erkranken dort nicht mehr Menschen an Krebs als anderswo in Bayern. Die Vergabe der Studie erfolgte auf Drängen der drei Gemeinden sowie der örtlichen Bürgerinitiative. Dabei wurde auch dem Wunsch der Gemeinden bei der Gutachterauswahl entsprochen und eine anerkannte Expertin vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Begutachtung beauftragt. Die von ihr angewandten Untersuchungsmethoden und Vorgehensweisen orientierten sich streng an wissenschaftlichen und international üblichen Verfahren. Die von Professor Frentzel-Beyme geäußerte Kritik an der Studie geht fehl. Sogenannte epidemiologische Studien und Betrachtungen von kleinen Bevölkerungsgruppen lassen keine Rückschlüsse auf die Ursachen von Krebssterberaten zu. Von Einzelfällen auf Gesamttrends zu schließen, ist ebenfalls nicht sachgerecht. Die Aussagekraft statistischer Untersuchungen über Gesundheitsrisiken ist umso größer, je mehr Personen die Untersuchungsgruppe erfasst. Werden nur Einzelfälle betrachtet, ist die Fehlerquote zwangsläufig groß und eine wissenschaftliche Ausssagekraft nicht mehr gegeben. Bekanntlich werden die einzelnen Krebsfälle von einer Vielzahl von Faktoren, wie z.B. Lebensgewohnheiten, Ernährung, Rauchen oder Erbanlagen beeinflußt, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind.«
Nur die offiziellen Fachleute orientieren sich demnach an streng wissenschaftlichen Methoden. Wenn – wohl offenbar nicht minder qualifizierte – Wissenschaftler das Gegenteil feststellen, werden sie in üblicher Manier abgekanzelt. Und doch haben auch Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz, wenn auch in eher indirekter Weise, immer wieder auf mögliche Gefahren diverser Sendeeinrichtungen hingewiesen. Ebenso wie Mediziner, die ihre Mitarbeiter intern vor den potenziellen Gefahren warnten, wie sie von Mobilfunkgeräten ausgehen. Das Problem besteht doch vor allem darin, dass Technologien dieser Art noch nicht sehr lange existieren, zumindest nicht lange genug, um eine von ihnen ausgehende Gefahr ausschließen zu können. Genau um diesen Punkt jedoch sollte es sich vorrangig drehen. Je größer aber die Spanne zwischen dem Ausbruch einer Erkrankung und dem verursachenden Ereignis ist, desto problematischer gestaltet sich die Zuordnung. Ein Patient mit dem Befund Hautkrebs wird sich nicht einmal mehr zwangsläufig an den Auslöser erinnern können, einen Sonnenbrand, den er vielleicht 25 Jahre zuvor als Kind erlitt. Ebenso die möglichen Konsequenzen von Mikrowellenstrahlung, die durch langjähriges Mobiltelefonieren kumulativ auf das Gehirn einwirkt. Ebenso die Spätfolgen durch ständigen Verzehr von Mikrowellen-Nahrung – einer zwar sehr schnell und praktisch erhitzten, aber chemisch entsprechend veränderten, gleichsam vergifteten, ja toten Nahrung, die auch unseren Stoffwechsel mehr als nur nachteilig beeinflusst.
Der Stockholmer Professor Olle Johansson fasste in einem Fachbeitrag kürzlich die Ergebnisse von Dutzenden Studien zusammen, in denen die Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern (EMFs) auf das Immunsystem des Menschen untersucht wurden. Demnach agieren EMFs wie Allergene, welche die Immunfunktionen stören, indem sie verschiedene allergische und entzündliche Reaktionen auslösen. Johansson erhofft sich mit dieser Veröffentlichung und ihrem »deutlichen Warnsignal« einen ausreichenden Druck auf die politischen Entscheidungsträger, um neue und sicherere Richtlinien ins Leben rufen zu können. Laut der zitierten Studien sind immerhin drei bis zehn Prozent der Bevölkerung von Elektrohypersensitivität (EHS) betroffen, reagieren also mit Krankheitssymptomen auf Elektrosmog. Die Studien haben ergeben, dass EHS-Patienten eine erhöhte Zahl von Mastzellen und somit Zellen der körpereigenen Abwehr aufweisen als zuvor. Hier liegt also eine deutliche Reaktion vor.
Wie Professor Johansson mit Bedauern feststellt, wurden etliche solcher Studien von der Weltgesundheits-Organisation WHO bislang nicht in die offiziellen Kataloge aufgenommen, sondern komplett ignoriert. Auch sieht man Forscher, die sich kritisch mit solchen Fragen befassen, nicht gerne auf WHO-Kongressen. Wahrscheinlich darf man doch nicht vergessen, welche Lobby mit den fraglichen Produkten verbunden ist. Und ganz am Schluss stellt sich auch die Frage, wie viele Menschen wirklich bereit sind, auf die Bequemlichkeit drahtloser Kommunikation oder einer ultraschnell zubereiteten Mahlzeit zu verzichten, wenn doch die nachteiligen Folgen dieser Technologien noch nicht zu 100 Prozent nachgewiesen sind. Na denn, Mahlzeit!
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