Sind Gold- und Silbermünzen-Besitzer kriminell?
Michael Grandt
Verschiedene Medien unterstellen derzeit Edelmetall-Besitzern Steuerhinterziehung und Schwarzgeldbesitz. Stein des Anstoßes ist eine Silbermünze aus Österreich, »Die Philharmoniker«, die auf großes Interesse bei deutschen Sammlern stößt.
»Wir verwahren uns gegen den Generalverdacht, alle Münzsammler und -anleger würden die Käufe aus Schwarzgeld bestreiten! Edelmetall-Anleger sind in aller Regel Menschen aus allen Schichten mit einer sensiblen Antenne für Inflation und Geldverschlechterung durch den Staat und die Banken«, wehrt sich Peter Boehringer von der Deutschen Edelmetall Gesellschaft e.V. auf MMnews (http://www.mmnews.de/index.php/20090 7023217/MM-News/Lugen-fur-das-Goldverbot.html). »Wer sich als Edelmetall-Käufer oder -Händler heute nicht gegen Schwarzgeld-Geblubber wehrt, gegen den wird sehr bald schon die ganze Palette der pauschalen Kriminalisierung aufgefahren. Steinbrück und die Medien sind da sehr geübt. Und dieses Land wird nach der Bundestagswahl eine Menge an Sündenböcken für die dann offen ausbrechende Verarmungskrise benötigen.«
»Schwarzgeld-Schmuggel«?
Spiegel Online, Bild und die Financial Times Deutschland (FTD) hatten in letzter Zeit über einen angeblichen »Schwarzgeld-Schmuggel mit Silbermünzen« aus Österreich berichtet. Von »Schwarzgeld-Trick« und »Steuerflüchtlingen« ist die Rede. Beispiel Spiegel Online vom 1. Juli 2009:
»Eine neue Silbermünze aus Österreich ist der Geheimtipp bei deutschen Anlegern: Mit ihr lassen sich große Mengen Schwarzgeld über die Grenze schaffen – der Zoll muss tatenlos zusehen. (…) Genau diese Differenz zwischen Nennwert [1,50 EUR] und Marktpreis [ca. 13 EUR] macht die Münze im internationalen Geldverkehr zu einem hochinteressanten Objekt. Sie hebelt auf verblüffende Weise die bundesdeutschen Einfuhrbestimmungen für Bargeld aus. Wer von Österreich nach Deutschland reist, darf 10.000 Euro bei sich tragen, ohne dass er die Barschaft im Fall einer Kontrolle durch Zollfahnder deklarieren muss. Ergo kann jeder mehr als 6.000 Philharmoniker-Münzen über die Grenze schaffen, ohne dass ihm sofort Steinbrücks Truppen ins Gehege kommen – mithin pro Einreise über 110.000 Euro aus seinen verborgenen Schätzen in Österreich heimholen.« (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,633464,00.html)
Diese Darstellung darf allerdings mit Fug und Recht als »Unsinn« bezeichnet werden, denn was Spiegel Online nicht anspricht bzw. verschweigt: Es fallen hohe Aufgelder an. Derzeit zum Beispiel etwa 21 Prozent Aufpreis auf den Spotpreis für Silber und zusätzlich noch 20 Prozent österreichische Mehrwertsteuer. Also bis zur deutschen Grenze wäre das »Schwarzgeld« schon mal über 40 Prozent weniger wert!
Peter Boehringer nimmt die »Argumente« der Mainstream-Presse akribisch auseinander und zeigt, dass ein Blick in das geltende Zollrecht genügt hätte, um die aufgeführten Argumente ad absurdum zu führen (vgl.:
http://www.zoll.de):
» – Was versteht man unter Bargeld und gleichgestellten Zahlungsmitteln, die [ab dem Schwellenwert von 10.000 EUR] auf Verlangen angezeigt werden müssen?
Anzeigepflichtig ist Bargeld in Form von Banknoten und Münzen (…) Dem Bargeld gleichgestellte anzeigepflichtige Zahlungsmittel sind Wertpapiere (z.B. Aktien, Schuldverschreibungen, Schecks, Zahlungsanweisungen, Wechsel und fällige Zinsscheine), Edelmetalle und Edelsteine.
– Wie erfolgt die Berechnung des Schwellenwertes?
Bargeld in ausländischen Währungen wird zum jeweils gültigen Geldkurs in Euro umgerechnet. Bei gleichgestellten Zahlungsmitteln ist der aktuelle Wert (z.B. bei Gold [und Silber] der Börsenwert und Aktien der aktuelle Rücknahmekurs) zugrunde zu legen. Reisende müssen im Handgepäck und im aufgegebenen Reisegepäck mitgeführtes Bargeld und gleichgestellte Zahlungsmittel anmelden, wenn der Gesamtwert 10.000 Euro oder mehr beträgt.«
Pressekampagne gegen Münzen-Besitzer
Boehringer resümiert: »(…) der Philharmoniker ist in Deutschland kein gesetzliches Zahlungsmittel – und damit keine ›Bargeldmünze‹, bei der der Nominalwert von 1,50 Euro relevant wäre. Je nach Wertansatz beträgt dieser derzeit ca. 13 Euro pro Silber-Philharmoniker.« Deklarationsfrei könnte ein »Steuerflüchtling« somit sein, der 10.000 / 13 = ca. 770 Münzen legal nach Deutschland einführt – und eben nicht »6.000«, wie Spiegel Online schreibt: »Nach dieser einfachen Recherche wäre der gesamte folgende Artikel obsolet gewesen. Ebenso alle anderen genannten Artikel, die die faktisch falsche Grundthese ebenso wie die weiteren Unterstellungen einfach übernehmen!«
Peter Boehringer vermutet deshalb: »Hinter der Pressekampagne steckt offenbar die Zielrichtung, den Gold- und Silberbesitzer per se in die Nähe des Illegalen zu rücken. Botschaft: Wer Silbermünzen besitzt, besitzt Schwarzgeld.« Alleine diese banalen Rechenbeispiele zeigen die betriebswirtschaftliche Absurdität des von mindestens drei renommierten Zeitungen abgeschriebenen Vorgehens auf! (…) Auf dieser dünnen bzw. schlichtweg fehlenden Faktenlage mit so viel Schaum vor dem Mund zu schreiben, dazu gehört schon eine Menge Chuzpe. Und bei den Abschreibern der BILD und der FTD ebenso. Oder wenigstens eine Menge Faktenresistenz, Inkompetenz und Ignoranz.«
Kommt ein Goldverbot?
Steckt hinter diesen Medienkampagnen etwa eine gezielte Aktion, damit der »Normalbürger« bald nicht mehr an Gold- und Silber in Reinform kommt, weil die Regierungen wissen, dass Papiergeld irgendwann wertlos wird und sich deshalb die knappen Rohstoffe sichern wollen?
Boehringer hält das durchaus für möglich: »Der darauf folgende Schritt ist das Goldverbot. Die zunehmend totalitären und bankrotten Staaten der Welt lechzen nur nach einem Vorwand. Schließlich sind Edelmetalle die natürlichen Antipoden des Papiergelds (…) Wer diesen perfiden Anfängen nicht wehrt, der wird als Silbermünzenhalter bald mit Drogenhandel und Prostitution in Verbindung gebracht.«
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